Was wäre, wenn – Statussymbole im Büro wegfallen?!

Auch Statussymbole unterliegen dem Wandel der Zeit. Am Besten lässt sich das am Beispiel des Autos ablesen. So machen junge Menschen immer später den Führerschein und legen zunehmend weniger Wert auf eine Mobilität im eigenen Auto. Der Trendforscher Peter Wippermann stellt fest: "Als die Maschinen Einzug in die Arbeitswelt hielten, wurden die Pferde nicht mehr als Nutztiere gebraucht, sondern mehr und mehr als Freizeittiere geliebt. Wer sich in Zukunft ein Auto leisten kann, wird es behandeln und nutzen wie sein bestes Pferd im Stall."

 

Übertragen auf die Arbeitswelt lassen sich daraus zwei Dinge lernen. Erstens haben Statussymbole wie der persönliche Parkplatz in der Tiefgarage, ein Einzelzimmer, die eigene Assistentin oder sogar der persönliche Schreibtisch eine Halbwertzeit. Bei den voran genannten Beispielen dürfte der Zenith in den meisten Unternehmen bereits überschritten sein. Zweitens haben junge Menschen im Vergleich zur Vorgänger-Generation häufig andere Vorstellungen von der idealen Arbeitswelt. Die Oxygenz Studie der Firma Johnson Controls aus dem Jahre 2010 liefert interessante Ergebnisse zu der Frage, wie die junge Generation der 18- bis 25jährigen (Generation Y) in Zukunft arbeiten will. Etwa 73 % der 1.479 Befragten zwischen 18-25 Jahren bevorzugen eine sehr mobile und flexible Arbeitsweise. Der steigende Wunsch nach Mobilität wird insbesondere in großen Unternehmen zu einem immer stärkerem Einsatz von flexiblen Bürokonzepten wie etwa dem Business-Club führen. Nach den Top 3 Faktoren für ihre Produktivität gefragt, rangiert die Technologie und der Zugang zum Internet vor der Teamarbeit und dem Büroraum bzw. Arbeitsplatz (s. Artikel "Generation Y – wie die nächste Generation arbeiten will").

(Quelle: Geliebte Akten – auch ein Statussymbol. Webseite sueddeutsche.de, Bild dpa-tmn)

 

Wer glaubt, junge Menschen verfolgen in der heutigen Arbeitswelt keine Ziele und benötigen keine Statussymbole mehr, irrt. Der Zugang zum Internet, coole Gadgets wie ein Tablet und das Pflegen sozialer Netzwerke sind die heutigen Statussymbole – fast schon als Grundvoraussetzung für einen modernen Arbeitsplatz zu bezeichnen. Was der Generation Y aber überhaupt nicht passt, sind statische und stark hierarchisch organisierte Unternehmen – kein Pluspunkt im war-for-talents. Mit althergebrachten Statussymbolen sind diese Menschen also nicht zu locken. Ganz im Gegenteil: Nicht vermittelbar ist das Festhalten der Kollegen an geliebten Prozessen, Statuten und ungeschriebenen Gesetzen im Unternehmen. Am deutlichsten wird das kurz vor einer Neuorganisation oder dem Umzug in ein neues Gebäude. Denn dann würde die Chance für einen Neubeginn bestehen, der aber oftmals an der Verteidigungsstellung der "Alten" scheitert. Hier ziehen die Jungen regelmäßig den Kürzeren, gute Ideen und Ansätze werden blockiert.

 

Dem Top-Management fällt in solchen Momenten eine Schlüsselposition zu: Einerseits zählt die Vision zur Veränderung, deren Beschreibung und Kommunikation in das Unternehmen. Andrerseits gilt es, dem Druck der Mitarbeiterschaft in Veränderungsprozessen standzuhalten. Durchaus auch mit dem Ziel, verkrustete Strukturen aufzubrechen und die Prozesse im Unternehmen neu zu ordnen. Mit der Neuordnung fallen häufig Statussymbole weg, insbesondere das mittlere Management ist betroffen. Junge Menschen wollen sehr eng im Team arbeiten und brauchen einen kurzen und direkten Draht zum Vorgesetzten. Um die Kommunikation zu verbessern und die internen Prozesse zu beschleunigen, sind Einzelzimmer mit Vorzimmer-Dame kontraproduktiv. Ein zweiter Monitor ist viel brauchbarer als die Diskussion um die Notwendigkeit eines dritten Aktenschrankes am Arbeitsplatz. Eine wohnliche Lounge mit Begegnungsqualität und gutem Kaffee ist in Zukunft ebenfalls gefragter als die Schreibtisch-Winkelkombination. Diese Aufzählung ließe sich noch weiter führen, der Punkt sollte klar geworden sein: Statussymbole des Einzelnen sind in modernen Arbeitswelten passé. Der Fokus liegt auf der Gemeinschaft und der Zusammenarbeit.


Dr. Roman Wagner

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